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Lesezeit. Ca. 4,5 Minuten

Uraufführung von Christel Oliviers “Haikus” in der Vertonung von Ursula Euteneuer – Rohrer

In der bezaubernden, rustikalen Atmosphäre der 11. Kulturscheune in Beinheim (F) fand am 11.05.2024 die glanzvolle Uraufführung des Zyklus „Haikus“ von Ursula Euteneuer – Rohrer nach Haikus von Christel Olivier (TG-Kunst-Kultur-Musik) statt. Ein zauberhafter Nachmittag, der der zeitgenössischen Musik gewidmet war und von einem fachkundigen Publikum goutiert wurde.

Einführung

Die Einführung in den Vertonungskontext des Zyklus nahm die bekannte Komponistin Ursula Euteneuer-Rohrer vor. Beispielhaft seien hier „Abendzeit“ und „Der kleine Vogel“ benannt. Ursula Euteneuer  erklärte die Komposition, ich zitiere: „Die stille Abendzeit – eine Atmosphäre, deren bedrohliche Stimmung durch die Form einer Passacaglia unterstrichen wird. Charakteristisch für die Passacaglia ist der immer wiederkehrende Bass, der bereits zu Beginn des Barockzeitalters aus dem spanischen Volkstanz entstand. Doch dieses Stück hat damit nichts mehr gemein. Vielmehr vermittelt die kontinuierlich leicht variierende Basswiederholung in quälend langsamem Tempo die Aussichtslosigkeit des Geschehens. Die Maus wird nicht entkommen.

Der kleine Vogel

Kleine Motive, die an Vogelstimmen erinnernd, getrennt durch große Pausen und wieder zusammengefügt durch das ständig gedrehte rechte Pedal. Das bedeutet, jegliche Dämpfung ist aufgehoben. Harmonisch und gestisch eine kleine Hommage an Olivier Messiaen und Sofia Gubaidulina. Das  kleine Bächlein, ist die letzte Komposition. Sie ist einfach zu verstehen und eng am Text orientiert. Ständig wechselnde Strukturen, Stillstand, Tempowechsel und Bewegung – all dies reflektiert, was man in einem einzigen Augenblick wahrnehmen kann, wenn man am Ufer steht. Hier sei nochmals an den Sinn des Haikus und seine Fähigkeit erinnert, die Essenz eines Moments einzufangen.“

Beispiele

Um einen Eindruck zu vermitteln, sind 3 Haikus, am Namen erkennbar, angefügt. Die Tonqualität dieser Miniaturen sind schlecht, weil ich die Aufnahmen mit dem Handy gemacht habe. Beide Künstlerinnen stimme der Veröffentlichung auf unserer Homepage zu. Alle Verwertungsrechte verbleiben bei Ihnen

Fazit dieses Programmpunktes

Ursula Euteneuer zog mit ihrem Spiel das Publikum in ihren Bann, während Christel Olivier ihre Haikus als Sprecherin vortrug. Musik und Haikus gingen eine symbiotische Verbindung ein. Das Programm beeindruckte nicht nur durch das acht eindrucksvolle Haikus, sondern auch durch eine bemerkenswerte musikalische Bandbreite, die von freien Improvisationen bis hin zu präzise ausgearbeiteten Kompositionen reichte.

Das weitere Programm

Nach den Haikus folgte eine Konzept-Improvisation für Saxophon und Luftinstrumente (Ute Reisner) sowie Klavier (Euteneuer-Rohrer). Manfred Schramm (Tabla) und Ulrike Klamp (Kontrabass) boten danach Stücke dar, darunter Werke von François Rabbath. Den krönenden Abschluss bildete eine Gesamt-Improvisation, bei der Ursula Euteneuer – Rohrer (Klavier), Manfred Rohrer (Percussion), Ulrike Klamp (Kontrabass) und Ute Reisner (Saxophon) eine beeindruckende Einheit formten und das Publikum verzauberten. Ein Ereignis von unvergleichlicher künstlerischer Intensität, das die Grenzen zwischen traditioneller Lyrik und zeitgenössischer Musik neu definierte. Ein Highlight selbst für Zuhörer, die der neuen Musik bisher distanzierter gegenüberstanden.

Beispiele

Haiku “Der kleine Vogel” 

2 Haikus: Der graue Nebel, Das kleine Bächlein